Thomas vom Hospital des heiligen Johannes zu Jerusalem

Ich möchte mich vorstellen: mein Name ist Thomas. Einen Familiennamen trage ich nicht, auch wenn ich ihn Euch gerne nennen würde. Ich wurde als verstoßener Sohn eines Adeligen einem Benediktinerpater im Säuglingsalter übergeben, der mich vor Schlimmeren bewahrte. Meine Jugend verbrachte ich so in Werk, in Arbeit und mit der Nase in Büchern, denen ich viel Wissen um die Welt und die Wissenschaft zu verdanken habe. Leider vermochten meine Brüder mich nicht ausreichend in Geduld und der Suche nach Gottes Frieden zu unterweisen. Mein Hitzkopf ließ mich viele Wortgefechte mit den Oberen ausfechten, so blieb mir der Weg in den Klerus bis dato verwehrt.

Doch hatte ich stets Gönner, denen mein Potential nicht verschlossen blieb. So gab man mir den Segen und eine schriftliche Empfehlung für Raymond de Puy, den Großmeister des Ordens vom Hospital des heiligen Johannes zu Jerusalem, das neben helfenden Händen im Spital auch helle Köpfe im stetig wachsenden politischen Spiele der Stadt Jerusalem benötigte.

Die Reise dorthin lehrte mich zu erst Demut und Überleben. Der Orden lehrte mich dann ein Schwert zu führen, denn dort erkannte man das Feuer in meinem Herzen, das meine Klinge ebenso gefährlich machte, wie mein Wort durch meinen geschulten Geist schon war. Als Laienbruder mit Kampferfahrung und politischem Fingerspitzengefühl wurde ich schließlich der Delegation zugeteilt, die heute den Weg zu der Krönung Friedrichs geht und den Orden selbst und dessen Interessen dort vertreten soll. DenWeg teilen wir inzwischen mit der verehrten Wulfhild von Calchem, welche uns mit offenen Armen in Ihre Reisegemeinschaft aufnahm und der wir in Rat und Tat zur Seite stehen.

Hospitalier

Der Orden vom Hospital des heiligen Johannes zu Jerusalem ist auf ein noch vor dem ersten Kreuzzug von Kaufleuten aus Amalfi gegründetes Jerusalemer Hospital zurückzuführen, das über ständiges Wachstum über den ersten Kreuzzug hinaus schließlich zur Heimat des angesprochenen Ordens wurde. Durch die frühere Weihung dieses Hospitals auf Johannes den Täufer erhielt der Orden seinen Namen.

Die erste Erwähnung des Ordens ist für das Jahr 1045 nachgewiesen. Unter Raimund de Puy (Großmeister von 1120 bis ~1160) erfolgte schließlich die Umwandlung von der reinen Spitalbruderschaft zum geistlichen Ritterorden. Die anfänglich getragene schwarze Kutte weicht über die Umwandlung zum Ritterorden bald möglichst einfach gehaltener Funktionskleidung. Die Ordensregeln legen die Ausprägung dieser Kleidung klar fest. Übertretungen werden unter den höheren Mitgliedern des Ordens harsch geahndet.

Von Jerusalem erweiterte sich der Einflussbereich des auch als Johanniterordens bezeichneten Gemeinschaft auch nach dem Verlust von Jerusalem über ganz Europa. Mehrere neue regionale Abteilungen ("Zungen" genannt) wurden gegründet, die Hauptquartiere verlagerten sich über Akkon bis nach Malta, was dem heute noch existierenden internationalen Orden seinen bekannteren Namen verlieh: Malteserorden.

Der Orden hat, neben dem Vatikan und dem Internationalen Roten Kreuz, das Privileg als nichstaatliches Völkerrechtssubjekt betrachtet zu werden, d.h. völkerrechtlich ist er einem souveränen Staat gleichgesetzt.

Eine protestantische Abspaltung aus Brandenburg von 1538 ist heute noch als Johanniterorden bekannt.