Die Geschichte der kleinen Anna, die ganz gross raus wollte

Es war einmal … ja, es war einmal.

Der Anfang vieler schöner Geschichten, doch diese ist eine ganz besondere. Es ist meine eigene. Doch nun zum eigentlich wichtigen Teil …

Anno 1131 erblickte ich nahe der Abtei Sankt Pantaleon zu Colonia das Licht der Erde. Meine Eltern, nicht mehr als mittelständige Handwerksleute zogen mit Hab und Gut von Ort zu Ort, auf der Suche nach dem Land, dass uns ein Heim bieten sollte. Nahe der Via Publica wuchsen meine Geschwister und ich zwischen Feld und Wald, in einer scheinbar heilen Welt auf.

Meine Mutter starb schon früh und hinterließ meinen Schwestern und mir die Arbeiten einer Hausfrau. Meine Schwestern hatten Glück und wurden bald schon verheiratet. Ich blieb daheim und kümmerte mich um Hof und Verkauf, alsbald doch mein einziger Brüder auszog, um seine Liebe gegen den Willen meines Vaters zu heiraten. Mein Vater, gedemütigt seines Sohnes, lehrte mich das Handwerk eines Korbflechters, was er immer meinem Bruder hatte beibringen wollen. Doch als auch er erkrankte und bald darauf von uns ging, kehrte mein Bruder mit seiner Frau und den drei Bälgern heim und verlangte nach seinem Recht als Erbe. Man gab ihm all unseren Besitz und ließ mir die Möglichkeit als Magd ein Leben in Demut unter meines Bruders Wort zu führen. Ich wählte den Gegenweg und zog fort.

Mit einem gestohlenen Karren reiste ich von Markt zu Markt, um meine Körbe zu vertreiben. Dabei begegnete ich einem Trubel bunter Leut, auf dem Wege zur Krönung Barbarossas. Sie selbst nannten sich Principis turba saeva und wurden angeführt von ihrer Fürstin Wulfhild von Calchem. Seither ziehe ich mit ihnen und habe ihre Gesellschaft zu meiner neuen, einzigen Heimat gemacht

Annalaura Korbmacher vom vierten Tage des neunten Monats Anno 1131 

 

Sankt Pantaleon wurde erstmals 866 schriftlich erwähnt, doch wurden bereits frühere christliche Funde geborgen. Trotz mehrere Umgestaltungen, steht die Kirche nach all den Jahren immer noch im südlichen Teil der Kölner Altstadt.
 

Mit Via Publica (Volksstraße, Poststraße, Handelsstraße) ist die Altstraße gemeint die erstmals 839 in einem Diplom Kaiser Ludwig des Frommens erwähnt wurde und uns heute vielmehr als B8 bekannt ist. Im Mittelalter verband die Via Publica die Handelsstädte Köln, Frankfurt, Nürnburg und Regensburg. Sie führte jedoch viel weiter von Brüssel bis nach Prag.

Die Stadt Langenfeld hat das Stadtrecht zwar erst 1948, doch bekannt ist der Ort zwischen Düsseldorf und Köln schon länger. Direkt an der Via Publica gelegen war es schon früher ein Ort, den viele Reisenden passierten. Die Stadtteile Richrath und Reusrath sind sogar schon überdies bekannt und gelten als die geschichtlichen Grundsteine der rheinländischen Stadt. Das genaue Erbauungsdatum ist zwar unbekannt, aber der Kirchturm der St Martinus Kirche in Langenfeld Richrath dürfte sich auf das 8. Jahrhundert legen. Die Vermutungen für Reusrath gehen noch weiter zurück. Dort wurde ein germanisches Gräberfeld gefunden, das auf eine frühe Besiedlung schließen lässt.