Ann, die Gemahlin Christopherus

Mein Name ist Ann. Ich bin die Tochter eines Tuchhändlers. Da meine Mutter schon früh starb und mein Vater Unterstützung bei seinem Geschäft brauchte, bildete er mich zur Tuchhändlerin aus und verheiratete mich nicht als junges Mädchen wie sonst üblich.
 

Als mein Vater sein Augenlicht verlor, übergab er mir sein Geschäft, das ich dank meiner Ausbildung zur Tuchhändlerin auch weiterführen durfte. Meine Eheschließung mit Christopherus konnte er noch erleben, kurz darauf starb er leider.
 

Unglücklicherweise vernichtete ein Feuer vor einigen Wochen unsere gesamten Lager und damit unsere Existenz, sodass wir gezwungen waren, ganz von Neuem anzufangen. Zum Glück trafen wir vor ein paar Tagen auf die edle Fürstin Wulfhild von Calchem, die mit ihrem Gefolge auf dem Weg nach Aachen ist, und einen Schreiber sowie eine weitere Magd brauchen konnte. Dort wollen wir unser weiteres Glück suchen.
 

Die wirtschaftliche Stellung der Frau

Mädchen wurden im Mittelalter regelmäßig mit 12 bis 16 Jahren verheiratet und waren ab dem Zeitpunkt von ihrem Ehemann abhängig. Rechtlich unabhängig und auch mit einem eigenen möglichen Vermögen waren nur volljährige ledige Frauen ab 18 sowie Witwen.

In den Städten kam es vor, dass die Ehefrauen ihre Männer im Geschäft unterstützten. Falls der Ehemann starb, durfte die Witwe das Geschäft üblicherweise nur weiterführen, um es später an ihre erwachsenen Kinder abzutreten. Nur, wenn sie in dem Beruf ausgebildet war, durfte sie das Geschäft selbst behalten.